TZ 2025 12 29 Bild1IKF schneidet Obstbäume frei und kämpft gegen wuchernden Weißdorn

Josua Cho, Taunuszeitung vom 29.12.2025

Bad Homburg – Morgens bei Kirdorf: Vor einer gemieteten Schafhalle machen sich rüstige Herren bereit. Sie gehören zur Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld (IKF). Rüstig sind auch ihre Traktoren. In den angehängten Anhängern liegt alles, was man braucht: Sägen, Leitern, Scheren. Die Kolonne setzt sich in Bewegung, fährt hinaus zu den Streuobstwiesen des Kirdorfer Feldes.

Hier stehen in Reihen 18 Apfelbäume und ein Birnbaum, vor der Kulisse eines dornigen Gesträuchs, das sich unaufhaltsam ausbreitet. Einige der Bäume werden schon fast von ihm verschlungen. Es ist ein stiller Kampf, der hier seit Jahren ausgefochten wird. Zwischen der Natur, die wuchern will, und den Menschen, die eine bestimmte Ordnung bewahren wollen.

Ehrenamt gegen Verbuschung

Die heute bearbeitete Schafswiese gehört einem Vereinsmitglied, das sich aus Altersgründen nicht mehr selbst darum kümmern kann. „Mit zwölf Leuten sind heute ordentlich viele da“, sagt Ex-Oberbürgermeister Michael Korwisi (73), Vorsitzender der IKF. Trotz der beschwerlichen Arbeit herrscht ausgelassene Stimmung. Man kennt sich seit Jahren, die Treffen sind mehr als reine Arbeitseinsätze.

Klaus Hett (62) steht unter einem Baum und versucht, kleine Äste mit einer Teleskopschere zu schneiden. Das Gerät funktioniert nicht. Also greift er zur Handschere und besteigt eine Stehleiter. Hett wuchs im Feld auf. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir als Kinder mit dem Leiterwagen losgezogen sind und Äpfel geerntet haben“, erzählt er, während er auf der Leiter balanciert. Dann sagt er seufzend: „Das hier ist eigentlich eine Kulturlandschaft, die es wirtschaftlich nicht mehr braucht. Sie wurde vor langer Zeit einmal angelegt, um sich zu ernähren.“

TZ 2025 12 29 Bild2Pflege ohne wirtschaftlichen Ertrag

Heute werden Getränke und Gelees aus den Früchten hergestellt. Die Einnahmen stützen den Verein und fließen zurück ins Feld.

Rüdiger Feisel (62) hat für seine Aufgabe einen Kettensägenschein gemacht. Mit der Elektrosäge trennt er den Stamm des Weißdorns ab, jenes Gesträuchs mit seinen „ekligen Dornen“, das die Obstbäume zu verschlingen droht. Anschließend wird das Gehölz mit der Handsäge in Einzelteile zerlegt. Auch Misteln werden von den Bäumen entfernt. Junge Bäume bekommen ihren Erziehungsschnitt. Idealerweise wachsen danach wenige stabile Äste in die Breite, an denen viel großes Obst trägt. „Dünne Äste müssen ab“, erklärt Hett, „sonst werden die Früchte immer kleiner und das Holz wächst nicht nach.“

Die mit Schnittholz voll beladenen Anhänger fahren den Hügel hinauf, am Wegesrand wird das Material in Haufen gelagert. Im Frühling wird eine von der Stadt beauftragte Firma kommen und alles häckseln – Kompost und Heizmaterial entstehen daraus. „Manchmal, wenn die Arbeit hart ist, fragt man sich schon, warum man sich das antut“, sagt Feisel. Die Antwort kennt er selbst: Heimatverbundenheit. Liebe zur Kulturlandschaft.

Michael Korwisi kurvt mit seinem kleinen, wendigen Aufsitzmäher zwischen den Bäumen hindurch und mulcht Gras sowie jungen hölzernen Aufwuchs. Das Mulchen macht den Boden fruchtbar und lässt saftiges Gras wachsen – wichtig für das, was im Frühling und Herbst kommt: die Schafsherde mit 700 bis 800 Tieren, betreut von einem professionellen Schäfer im Auftrag des Regierungspräsidiums. „Die Schafe fressen nur das Gras, lassen das Gestrüpp aber stehen“, erklärt Korwisi. „Wenn man nicht mulcht, wären am Ende nur noch Dornen da.“
JOSUA CHO