TZ 2026 06 17 Bild1Die Bürgerstiftung Citoyen zeichnet Ehrenamtliche aus und stellt ihre Projekte vor.  Taunus-Zeitung vom 17.6.2026

Frankfurt – An diesem Abend sind alle Gewinner. Ursprünglich sollten bei der Vergabe des Preises „Citoyenne 2026“, der unter dem Motto „Ran ans Klima“ stand, die ersten drei von zehn Finalisten prämiert werden. Doch die Organisatoren entschieden sich im Frankfurter Gallustheater spontan dazu, alle zu ehren, auszuzeichnen und mit Geld zu beglücken.

So stellte Moderator Timo Schweitzer die sieben Viertplatzierten vor, die je eine Urkunde sowie 300 Euro und die Chance bekamen, sich zu präsentieren. Das Thema Klima sei ihnen zu sehr aus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt, sagte Dorothee Freudenberg, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Citoyen, in ihrer Begrüßungsrede. Deshalb sei es wichtig, den Klimaschutz wieder in den Fokus zu stellen. Und die Rechnung ging auf, denn es gab 60 Bewerbungen. „Es ist ermutigend, wie viele Menschen sich mit Begeisterung und hohem Sachverstand ehrenamtlich für den Schutz des Klimas, den Erhalt der Biodiversität, für eine klimaneutrale Energiewende und für Klimagerechtigkeit einsetzen“, erklärte Freudenberg.

Die Frankfurter Stiftung Citoyen ist eine Bürgerstiftung. Ihr Ziel ist es, „Gemeinsinn zu fördern und bürgerschaftliches Engagement im Rhein-Main-Gebiet zu stärken“. Das tut sie unter anderem alle zwei Jahre mit der Preisverleihung „Citoyenne“.

TZ 2026 06 17 Bild2Der erste Preis, dotiert mit 5000 Euro, der von der Bethman Bank Hal gestiftet wurde, ging an den „Verein zur Förderung von Klimagerechtigkeit“ für sein Projekt „Main Solar Balkon“. „Klimaschutz wird von vielen als etwas nur für Reiche abgetan“, sagte Laudatorin Anja Heßeler, Leiterin Vermögensverwaltung bei der Bethman Bank Hal. „Unser diesjähriger Preisträger hebt diesen Widerspruch auf.“

Hilfe beim Beantragen von Fördermitteln

Der Verein organisiert Solarworkshops und hilft bei der Beantragung von Fördermitteln für Balkonkraftwerke. Das sind kleine Solaranlagen, die sich an jedem Balkon betreiben lassen. „Jeder, der rechnen kann, merkt relativ schnell: Balkonstrom lohnt sich. Aber wenn man alleinerziehende Mutter ist, hat man keine Zeit dafür. Deswegen haben wir gemerkt, dass wir genau da ansetzen müssen“, sagte Jochen Müller vom siegreichen Verein. Frankfurt, so seine ernüchternde Bestandsaufnahme, belege unter den 50 größten deutschen Städten beim Ausbau von Photovoltaik den letzten Platz. Mit dem Preisgeld könne der Verein zehn Balkonkraftwerke für einkommensschwache Familien finanzieren.

Mit 3000 Euro, gestiftet von unserer Zeitung, ist der zweite Platz dotiert. Max Rempel, Geschäftsführer und Chefredakteur, überreichte ihn. Der Preis ging an die Initiative Grünzug Eckenheim für ihr Projekt „Neue Stadt Wildnis“. „Es ist absolut bewundernswert, wie Sie sich für Natur und Gesellschaft einbringen“, lobte Rempel alle Beteiligten.

TZ 2026 06 17 Bild3Die Initiative setzt sich seit 2022 für den Erhalt eines ökologisch wertvollen Areals in Frankfurt-Eckenheim ein, mit Vogelschutzgehölzen und einem Gemeinschaftsgarten. Was Rempel besonders hervorhob, war die Beharrlichkeit: die jahrelange Arbeit mit Anwohnern, Ortsbeirat, Quartiersmanagement und Grünflächenamt, ohne sich entmutigen zu lassen.

„Wir sind keine Dagegen-Initiative, sondern wir gehen mit Perspektiven voran. Bevor die Leute diskutieren, schlagen wir Lösungen vor“, so Manuela Jatsch von der Initiative. Aktuell sei geplant, auf einem brachliegenden Areal einen Flurgarten zu entwickeln.

Dritter wurde die Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld, die 1500 Euro, gestiftet vom Lions Club Frankfurt Römer, für ihr Projekt „Kirdorfer Feld“ erhielt. Stephan Hübner, Hörfunkjournalist und Moderator beim Hessischen Rundfunk, hielt die Laudatio und zitierte Palmengartendirektorin Katja Heubach: „Kein Apfelwein ohne Bembel“, um dann den Bogen vom Genuss zur Ökologie, von der Streuobstwiese zum Klimaschutz zu spannen.

Denn darum geht’s den Preisträgern, die seit 20 Jahren im Norden von Bad Homburg rund 165 Hektar wertvoller Biotope pflegen. „Diese Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Europa“, sagte Hübner. „Dort leben wilde Bienen, Schmetterlinge, Vögel, Käfer, Fledermäuse.“ Dazu komme eine nahezu energieautarke Vereinszentrale mit Photovoltaik, Wärmepumpe und Batteriespeicher, die inzwischen zwei Drittel der selbst erzeugten Energie ins Netz einspeist.

Die Preisverleihung, bei der ungefähr 120 Gäste waren, wurde eröffnet und begleitet vom hochbegabten 14-jährigen Pianisten und Komponisten Yad Barzinjy, der mit seinem virtuosen Spiel begeisterte.

ENRICO SAUDA, Taunus-Zeitung vom 17.6.2026